Bestattungskultur im 21. Jahrhundert

Zwischen Sachlichkeit und Individualität

Soziale, demografische und auch religiöse Aspekte tragen sicherlich zu einer stetigen Veränderung unserer Bestattungskultur bei. Während früher der Pfarrer die erste Anlaufstelle im Trauerfall war, sind es heute die Bestattungsunternehmen. Von dort aus werden die Hinterbliebenen von Anfang an begleitet. Das Bestattungsunternehmen leitet alle notwendigen Schritte in die Wege, koordiniert die Beerdigung und alle damit verbundenen Formalitäten. Ursprünglich waren, neben der Familie, für die Beerdigung eines Verstorbenen noch verschiedene Handwerksgruppen zuständig.

Der Schreiner zimmerte den Sarg, der Fuhrmann überführte ihn zum Friedhof, der Totengräber beerdigte den Leichnam. Bestattungsunternehmen sind meist aus kleinen, familiären Handwerksbetrieben entstanden und da Holz zu den ältesten Werkstoffen der Menschheit zählt, lag es nahe, dass in Tischlereien auch die Särge hergestellt wurden.

„Vom Sargtischler zum modernen Dienstleister“ heißt es vielfach, da diese sensible Tätigkeit des Bestatters heute, neben der Fachkompetenz und dem kaufmännischen Wissen, auch eine hohe soziale Verantwortung voraussetzt und immer wieder neue Herausforderungen an den Bestatter stellt.

Traditionelle Bestattungen –

einst Monopol der Kirchen – sind deutlich zurückgegangen.
Früher wurde zur Beerdigung mit dem Läuten aller Kirchenglocken gerufen und fast das ganze Dorf war auf den Beinen, um den Verstorbenen zur letzten Ruhestätte zu geleiten.

Heutzutage ist eine Beerdigung aus dem Stadtbild verschwunden und findet immer mehr im stillen, kleinen Kreise statt. Trauer und Tod werden immer unsichtbarer. Aber auch finanzielle Aspekte erschweren den Hinterbliebenen den selbst bestimmten Umgang mit Tod und Trauer. So sind sie teilweise gezwungen, nach alternativen Bestattungsformen zu suchen. Die herkömmlichen Erdbeisetzungen weichen dem Anteil der Feuerbestattungen, die in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Auch die Friedhöfe als Kulturraum und Ort des Gedenkens verändern ihr Erscheinungsbild. Die Rasenflächen werden wegen der Platz sparenden Beisetzungen in anonymen Gräbern und Urnengemeinschaftsanlagen immer größer.

Unser Leben als Kleinfamilie und Alleinstehende spiegelt wider, dass für große Familiengräber kaum noch ein Bedarf besteht. Auch kommt hinzu, dass die Kreativität und individuelle Gestaltung der teuer gepachteten Gräber, den strengen Regeln der Friedhofsverordnungen unterworfen sind. Die gesellschaftlichen und kulturellen Wandlungsprozesse tragen also dazu bei, wie wir mit dem Tod umgehen.

Steigt auf der einen Seite die Zahl der anonymen Bestattungen, so zeichnet sich zugleich aber auch ein Trend nach mehr Individualität und Handlungsfreiheit ab. Längst realisieren die Bestatter, neben ihrer traditionellen Dienstleistung, auch die unterschiedlichsten Anliegen der Hinterbliebenen und können ihnen bei der Umsetzung von Ritualen und ganz eigenen Vorstellungen behilflich sein.

Die Trauerkultur wandelt sich - doch die Trauer bleibt

Wenn auch die meisten Abschieds- und Bestattungsrituale noch auf traditionellen Sitten und Gebräuchen basieren, so gibt es daneben ganz individuelle Vorstellungen von Abschied und Trauer.

Naturnahe Bestattungsorte wie Friedwald und Ruheforst sind hinzugekommen und werden von den Menschen immer mehr angenommen. Urnen und Särge werden kunstvoll bemalt, weiße Tauben oder Luftballons steigen zum Himmel auf und die Trauergäste tragen nicht mehr nur gedeckte Farben zur Lieblingsmusik des Verstorbenen. Auch sind Grabbeigaben wieder neu entdeckt, die schon seit Beginn der Menschheit üblich sind. Die Utensilien, die die Hinterbliebenen dem Verstorbenen mit auf „die letzte Reise“ geben, haben einen hohen symbolischen Wert und verbinden.

Eine, wenn auch außergewöhnliche Verbundenheit, ist für manche Menschen, sich aus einem Hauch der Asche des Verstorbenen ein Schmuckstück zum „Erinnerungsdiamanten“, verarbeiten zu lassen. Doch auch dieses Ritual könnte man von den Amuletten ableiten, denen die Menschheit schon seit Urzeiten magische Kräfte zuschreibt und die es als Schmuckstück und Glückbringer getragen werden.

Mit welchen Ritualen und Symbolen Trauernde auch immer versuchen, mit dem Verlust und Schmerz umzugehen, wie jemand den Weg der Trauer durchwandert, ist immer ein ganz persönlicher Weg.

Erinnerungsstücke

Die Erinnerung an einen geliebten Menschen wird im Herzen getragen und ist sicher nicht an einen Gegenstand gebunden.

Dennoch kann ein Erinnerungsstück zum Ansehen und Anfassen eine tröstliche Ergänzung sein und Kraft spenden.
Es ist erlaubt eine winzige Menge Asche des Verstorbenen aufzubewahren. Diese können Sie in einer Miniurne zuhause aufstellen oder in ein Amulett einarbeiten lassen. So kann Ihnen ein lieber Mensch ganz nahe sein.

Aus Erfahrung wissen wir, dass dieses Andenken von den Hinterbliebenen oft gewünscht wird.

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