Testament & Erben

Testament

Das Testament, der letzte Wille, ist so zu fassen, dass keine weitere Interpretation möglich ist. Vermächtnisse und Auflagen sind in eindeutigen und klaren Sätzen zu bezeichnen. Grundsätzlich gilt: Je höher das Vermögen und je unsicherer die Kenntnisse im Erbrecht sind, desto besser ist es, einen im Erbrecht erfahrenen Anwalt beziehungsweise Notar zu konsultieren. Ein Testament muss entweder handschriftlich oder zusammen mit einem Notar erstellt werden. Mit dem Computer erstellte Testamente sind ungültig. Gibt es kein Testament, tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft.

 

 

Hinweise für ein gültiges Testament:

  • Ein Testament muss handschriftlich niedergelegt werden. Die Unterschrift muss mit Vor- und Zunamen geleistet werden.
  • Das Gemeinschaftstestament eines Ehepaares muss von einem Ehepartner handschriftlich aufgesetzt und von beiden jeweils mit Vor- und Zunamen unterschrieben werden.
  • In einem Testament kann frei verfügt werden, wer, was, unter welchen Umständen bekommen soll. Die Erben müssen klar erkennbar sein. Ehegatten und Lebenspartner können sich in einem gemeinschaftlichen Testament gegenseitig zum Alleinerben einsetzen.
  • Es ist empfehlenswert ein Testament in amtliche Verwahrung zu geben. Wer kein notarielles Testament hinterlegt hat, sollte eine Person seines Vertrauens darüber informieren, dass ein Testament vorhanden ist und wo es zu finden ist.
  • Ein Testament kann jederzeit geändert oder widerrufen werden.
  • Wer unter Betreuung steht, kann sein Testament nicht mehr ändern.
  • Ein Testament ist ungültig, wenn die Unterschrift fehlt oder das Schriftstück mit Schreibmaschine oder Computer verfasst wurde. Darüber hinaus sollten Ort und Zeitpunkt im Testament aufgeführt sein.
  • Jedes aufgefundene Testament muss ungeöffnet dem Amtsgericht (Nachlassgericht) ausgehändigt werden.

Erben

Das Erbrecht ist in den §§ 1922 bis 2385 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB Fünftes Buch V, Erbrecht) geregelt. Die gesetzliche Erbfolge tritt immer dann in Kraft, wenn kein wirksames Testament als letztwillige Verfügung vorliegt. Wir können Ihnen im Nachfolgenden einen kurzen Überblick verschaffen. Wenn Sie dazu weitere, detaillierte Fragen haben, empfehlen wir Ihnen sich juristischen Beistand einzuholen und sich ggf. an einen Anwalt oder Notar zu wenden.

  • Erben 1. Ordnung Das sind die Nachfahren des Verstorbenen, also die Kinder, einschließlich der nichtehelichen und adoptierten Kinder, Enkel und Urenkel. Beispiel: Ein Verstorbener hinterlässt einen Sohn und dessen Tochter (Enkelkind des Erblassers). Es erbt nur der Sohn. Ist jedoch ein näherer Abkömmling bereits verstorben, rücken die nächsten Abkömmlinge (Enkelkinder) an dessen Stelle.
  • Erben 2. Ordnung Das sind die Eltern des Verstorbenen und deren Kinder und Kindeskinder, also die Geschwister, Neffen und Nichten. Die Verwandten der 2. Ordnung sind nur erbberechtigt, wenn kein Verwandter der 1. Ordnung vorhanden ist.
    Beispiel: Der Erblasser hinterlässt keine Nachkommen und hat zwei Geschwister. Wenn die Eltern bereits verstorben sind, erben die Geschwister jeweils zur Hälfte. Die Neffen und Nichten erben nichts.
  • Erben 3. Ordnung Das sind die Großeltern und deren Kinder und Kindeskinder wie Tante, Onkel, Cousin, Cousine usw.
    Beispiel: War der Erblasser Einzelkind und seine Eltern sind verstorben, erben die Großeltern allein. Sind diese verstorben, treten an ihre Stelle deren Abkömmlinge. Das wären dann Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins und deren Abkömmlinge.
  • Erben 4. Ordnung Das sind Urgroßeltern des Erblassers und deren Kinder und Kindeskinder. Ab der 4. Ordnung treten allerdings für bereits verstorbene Abkömmlinge nicht mehr deren Abkömmlinge ein; vielmehr erben grundsätzlich nur noch die nächsten Verwandten.

Gesetzliches Erbrecht bei Ehegatten

Der Erbanteil eines Ehegatten ist davon abhängig, in welchem Güterstand (z.B. Zugewinngemeinschaft oder Gütertrennung) die Eheleute zum Zeitpunkt des Todes des Erblassers gelebt haben. Neben den gesetzlichen Erben der ersten Ordnung (Abkömmlinge des Erblassers, also Kinder, Enkel etc.) erbt der überlebende Ehegatte zu einem Viertel. Neben den gesetzlichen Erben der 2. Ordnung erbt der Ehegatte die Hälfte. Sind weder Verwandte der 1. und 2. Ordnung noch Großeltern vorhanden, so erhält der überlebende Ehegatte die ganze Erbschaft.

Beispiel bei Gütertrennung:

Der Verstorbene hinterlässt eine Ehefrau und drei Kinder. Die Ehefrau erhält ein Viertel, die drei Kinder erben zusammen drei Viertel, also je ein Viertel. Wenn der Verstorbene seinen Ehepartner und lediglich zwei Kinder hinterlässt, gilt eine Sonderregelung, wonach der Ehepartner und die Kinder zu gleichen Teilen erben, je ein Drittel. Hinterlässt der Verstorbene einen Ehepartner und ein Kind, gilt wiederum eine Sonderregelung, wonach der Ehepartner und das Kind zu gleichen Teilen erben, je die Hälfte. Sind keine Kinder oder Enkelkinder vorhanden, erbt der Ehepartner neben den Eltern des Erblassers oder deren Abkömmlingen oder den Großeltern die Hälfte.

Sind weder Kinder, Enkelkinder, Eltern und Großeltern des Verstorbenen vorhanden, erbt der Ehepartner allein.

Der gesetzliche Erbteil des Ehegatten erhöht sich in der Zugewinngemeinschaft um ein Viertel (Zugewinnausgleich im Todesfall, § 1371 BGB)

Beispiel bei Zugewinngemeinschaft:

Der Verstorbene hinterlässt einen Ehepartner und zwei Kinder. In diesem Fall erbt der Ehegatte die Hälfte und die zwei Kinder teilen sich die andere Hälfte, erhalten also je ein Viertel. Seit Januar 2010 gibt es eine Erbrechtsreform. Diese sieht in der Erbfolge insbesondere eine stärkere Berücksichtigung von Erben vor, die den Verstorbenen gepflegt haben und nun für ihre Pflegeleistungen innerhalb der Familie mit einem Anteil am Erbe vergütet werden.

Eine umfassende Broschüre zum Thema Erben und Vererben erhalten Sie beim

BMJ Bundesministerium der Justiz
Mohrenstraße 37
10117 Berlin
Telefon: (030) 18 580 – 0
Telefax: (030) 18 580 - 95 25
www.bmj.de

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